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Mittwoch, 17. April 2019

Ein Ösi in Connecticut (Teil 43)


Teil 43: Rückkehr


Zwei Jahre waren schneller vergangen als erwartet. Wobei „erwartet“ je nach Stimmungslage oder Weltanschauung des Lesers und der Leserin jeweils mit „erhofft“, „befürchtet“ und „gedacht“ ersetzt werden kann. Für mich, den Verfasser dieser Zeilen, war es im Augenblick, und so ist es in der Rückschau immer noch, gleichbedeutend. Ich durchlebte und erlebe nämlich ein bisher ungekanntes Wechselbad der Gefühle angesichts dieser ganz und gar relativen Qualität von Lebenszeit und Endlichkeit. In Windeseile wechselten sich Wehmut, Begeisterung und auch Enttäuschung in mir ab. Vieles, was ich in großer Vorfreude von den USA und mir erwartet hatte, war nicht eingetroffen. Weit mehr, und vor allem das, mit dem ich niemals gerechnet hatte, war geschehen. Gerade als Julianes und mein Leben in Connecticut sich „normal“ anzufühlen begann, war es auch schon wieder vorbei. Gerade als wir die Untiefen und Abgründe des Krankenversicherungssystems ausgelotet hatten, und alle Verschreibungen und refills meiner Therapien und Medikamente endlich auf Kurs gebracht hatten, spielte das alles keine Rolle mehr. In Wien und Europa galten wieder andere Regeln. Wir hatten uns in New Haven endlich zu orientieren gelernt, allmählich das Gefühl erlangt, diesen einen kleinen Ort auf der großen weiten Welt wirklich zu kennen, da mussten wir ihn auch schon wieder verlassen. Und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kehren wir nie wieder dorthin zurück. Für Juliane ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund ihres Berufs jedoch ungleich größer.
Aber auch die Leben, in die wir angeblich zurückkehrten, waren nicht mehr dieselben. In zwei Jahren hatte sich viel verändert, vor allem in uns. Und diese Entwicklung fand nicht nur mit uns, sondern auch mit allen anderen statt. Im Prinzip verhielt es sich also mit Menschen und Orten genauso wie mit einem Fluss, niemand konnte zweimal demselben begegnen. Was eine tatsächliche „Rückkehr“ von vornherein unmöglich machte. Was Juliane und mich in Europa erwartete, das war einmal mehr ein Neuanfang.
Als wir im März 2017 unser kahles und damals auch noch kaltes Apartment in New Haven bezogen hatten, fand ich mich an meinem Schreibtisch sitzend einer nüchternen und mehr oder weniger weißen Wand gegenüber. Eher weniger, da der Anstrich fleckig, stellenweise gelblich gewesen war. Ich beschloss, diesen traurigen Anblick durch glückliche Erinnerungen zu ersetzen. Von jedem Ausflug und jeder Besichtigung, die Juliane und ich seither gemacht hatten, habe ich mir ein Plakat, eine Postkarte oder einen Aufkleber mit nachhause genommen. Diese Andenken habe ich daheim an meine Bürowand geklebt, bis sie im März 2019 fast vollkommen mit Erinnerungsstücken bedeckt war. Vom Fenster auf der rechten, bis zur Türe an der linken Seite meines Schreibtisches. Das half mir jetzt, als sich unser zweijähriger Aufenthalt plötzlich wie ein Wimpernschlag anfühlte, zu begreifen, wie viele Bereicherungen wir in dieser scheinbar kurzen Zeit hatten erleben dürfen. Vierundzwanzig Monate hatte es gedauert, ein Stück nach dem anderen anzubringen, und in weniger als zwanzig Minuten hatte ich alle wieder abgenommen. Dieses Abschiedsritual fühlte sich gut an. Es half mir, jeden einzelnen Druck und alle Blätter vor dem Verpacken noch einmal in die Hand zu nehmen. Dabei verstand ich vielleicht zum ersten Mal, was es bedeutete, „etwas zu begreifen“. Die Reflexion wurde manifest, der Gedanke wurde handfest, greifbar. Ich ließ alles Vergangene revuepassieren und hinter mir. Und danach fand ich mich bereit, mich auf Neues in der Zukunft einzulassen. Dasselbe war ja schon einmal, genau vor zwei Jahren geglückt.

Was ich im Kleinen mit meiner Wand unternahm, mussten wir im Großen mit dem ganzen Apartment machen: Unsere persönlichen Habseligkeiten daraus entfernen und verpacken. Da weder Juliane noch ich an Gegenständen und Besitz hängen, nutzten wir die Gelegenheit, um uns von Unnötigem zu trennen. Alle überflüssigen Gegenstände und Kleidungstücke waren buchstäblich Ballast, den wir uns besser sparten. Wie jede und jeder Flugreisende weiß, gestehen Airlines ihren Fluggästen nur eine gewisse Menge an Gepäck zu. Juliane und ich reizten diese Obergrenze ohnedies aus, wir rechneten sogar damit, zusätzliches Gepäck und Übergewicht bezahlen zu müssen. Obwohl wir vieles aufgaben, vor allem Elektro- und Trainingsgeräte, sahen wir uns am Ende unserer Aktion drei riesigen Koffern, zwei kleinen Rollkoffern, zwei Laptoptaschen und ein paar Tragetaschen gegenüber. Vor unserer Eingangstüre war ein Wald aus Rollkofferstangen gewachsen. Einschüchternd in zweierlei Hinsicht: Zum einen mussten wir, das heißt in Wahrheit Juliane, diese Unmengen an Gepäck bewegen. Erst ins Hotel, später vom Hotel ins Airport Shuttle und zur Gepäckaufgabe auf dem Flughafen in New York, und dann, nach einem Transatlantikflug, von der Gepäckabholung in Wien in unsere Wohnung. Zum anderen steckten in diesen trotzdem überschaubaren Behältern zwei Jahre unseres gemeinsamen Lebens. Abzüglich der acht Kisten mit Büchern und Papieren, die inzwischen bereits mit der Post über den Atlantik reisten. Der Anblick machte auch Angst. Unserer beider Persönlichkeiten beraubt, war das Apartment wieder kahl, kalt und im Grunde hässlich. Juliane hatte auch unsere improvisierten Fensterdichtungen wieder entfernt, so dass der Frühlingswind die Vorhänge bewegte. Zum Glück schien die Sonne, und der Himmel vor den Fenstern war blau, so dass die Umstände unseres Auszugs nicht ebenso winterlich und grau gerieten wie im März unseres Einzugs.
Was sollten wir mit all den Dingen machen, die wir nicht mit nach Europa nahmen? Und die wir nicht an Freunde und Bekannte verschenkten wie meinen George Foreman Grill, den Christbaumschmuck, die angebrochenen Flaschen, Gewürze und Zutaten? Juliane und ich waren ja längst nicht die einzigen, die sich nur für begrenzte Zeit in New Haven aufhielten. In der Stadt herrschte ein reges Kommen und Gehen von Stipendiaten und Studierenden jeden Alters und Geschlechts. Auf den Internetseiten der Yale Universität gab es entsprechende Möglichkeiten, Alltagsgegenstände zu tauschen und zu verkaufen. Juliane fotografierte alle ihre Heimsportgeräte und stellte sie ins Netz. Die kunststoffummantelten Hanteln, die Thera-Bänder und auch das Steppbrett waren erst in den USA angeschafft worden. Die komplette Ausrüstung war neuwertig und eigentlich kaum benutzt. Trotzdem, kein Interesse. Wir waren vorab gewarnt worden, wenn Yalies so etwas anschafften, dann ausschließlich fabrikneu und originalverpackt. Alles andere landete auf dem Müll. So wurde mir endgültig klar, warum die Mulde hinter unserem Haus jeden Semesterbeginn und alle Semesterenden geleert werden musste. Klimaschutz und Umweltbewusstsein blieben reine Lippenbekenntnisse und Mausklicks. Auch vor etwas anderem waren wir gewarnt worden, das keinen halben Tag, nachdem Juliane ihre Angebotsliste gepostet hatte, genau wie prophezeit geschah: Ein Typ aus einem Nachbarort fragte an, ob Juliane ihre Sachen denn „immer noch“ loswerden wollte. Der Bieter kannte offensichtlich seine Pappenheimer und den akademischen Kalender. Die einen, Leute wie wir, lösten zum Monatsende März oder Juni einen Haushalt auf und mussten aus den Apartments raus, die anderen, die Nachmieter, kauften zu Monatsbeginn August oder September allen Hausrat im Laden und im Onlineshop. Er bot uns fünf Dollar für alles. Das hielt ich für einen guten, wenn auch geschmacklosen Scherz. Bevor ich unsere Sachen so einem Schlaumeier überließ, verschenkte ich sie lieber an Leute, denen vielleicht das Geld dafür fehlte, die sie aber brauchen konnten und zu schätzen wussten. Und denen sie der Typ meiner Meinung nach auch mit horrender Gewinnspanne weiterkaufen wollte. Für diese Form der „Sachspende“ gab es in New Haven eine bewährte Methode bei der Geber und Nehmer sich nicht begegneten und sich daher auch nicht gegenseitig beschämen konnten. Ja, das Leben in den USA konnte schon ordentlich kompliziert sein.
Was ich bisher für einen übertriebenen Scherz in den Simpsons hielt („Bart, das innere Ich“, Staffel 5, Episode 7/ IF05), war wie viele andere „Gags“ aus der beliebten US-Serie keine Fiktion, sondern Alltag. Genau wie Homer sein ungeliebtes, zuvor von Krusty geschenkt bekommenes Trampolin arrangierte Juliane ihre Sportgeräte vor unserem Haus. Ansprechend und gut sichtbar für den vorbeifahrenden Verkehr. Hügelabwärts und jenseits der Winchester-Fabrik, heute der Yale Science Hill, lag bekanntlich das berühmt berüchtigte Stadtviertel Dixwell. Eine lange Geschichte kurz gemacht: In kürzester Zeit hatten alle Gymnastikgeräte, die Yogamatte und auch alles andere Nützliche neue und hoffentlich zufriedene Besitzerinnen und Eigentümer.
Am Tag unseres Umzugs ins Hotel, zwei Nächte vor unserer Abreise am 1. April zurück nach Europa, lag im Gegensatz dazu der verlassene Christbaum immer noch in Nachbars Garten. Er war eines Morgens Anfang Februar im Vorgarten unseres Wohnhauses völlig unvermittelt aufgetaucht und war kurz darauf kommentar- und kompromisslos auf das Nachbarsgrundstück geworfen worden. Seither hatte er dort ein paarmal seine Position gewechselt, bis er schließlich endgültig zum Liegen kam. Und es schien immer mehr, dass der obdachlos gewordene Weihnachtsbaum dorthin gekommen war, um zu bleiben. Kein Aprilscherz, das immer dürrer und trockener werdende Nadelgehölz lag der Länge nach ausgestreckt exakt auf der Grundstücksgrenze. Weder eine der benachbarten Mietparteien, noch die jeweiligen Grundstückseigentümer fühlten sich für die Entsorgung der verrottenden Konifere verantwortlich. Es war aufgrund seiner Lage weder klar, wem der Baumkadaver gehörte, noch auf wessen Rasenteil er verdorrte. Sogar die seit dem Frühlingsbeginn und dem Ende der Kältewelle für Instandsetzungsarbeiten auf beiden Liegenschaften herbeigerufenen hispanischen Gärtner und Handwerker stiegen über den entzauberten Lichterbaum hinweg und rasenmähten und laubbliesen penibel um ihn herum. Anstatt also aufrecht und geschmückt Licht und Hoffnung in die Dunkelheit der winterlichen Erde zu bringen, lag der kleine verblichene Nadelbaum als dürres Mahnmal zwischen zwei Rasenflächen. Als Wahrzeichen einer von Rechtsanwälten, Jobholdern und dem Selbstverständnis einer Nachwuchselite beseelten Umwelt.
Einmal ganz abgesehen von der Ästhetik, im niederösterreichischen Waldviertel und ganz gewiss auch in jedem anderen Gebiet mit Forstwirtschaft hätten die besorgten Anrainer in dem toten Nadelbaum einen potentiellen Käferbaum erkannt, eine Brutstätte für Borkenkäfer/Buchdrucker und andere Holzschädlinge. Ich bin mir sicher, dass die Christbäume in der Umgebung des Great Smoky Mountains National Park keine drei bis vier Monate irgendwo unkontrolliert und ungestört vor sich hin kompostierten. Schon gar nicht aufgrund ungeklärter Besitzverhältnisse. Und dieser Weihnachtsbaum war keineswegs der einzige. Auch unserer lag im Hinterhof neben den Garagen. In ähnlich erbärmlichen Zustand, seit ihn irgendjemand aus unserer Mülltonne genommen und dort nach hinten geschmissen hatte. Ich hoffe, dass die beiden nicht wirklich zum Problem für die hohen Bäume der Nachbarschaft und des Botanischen Gartens werden.
Diese Sorglosigkeit stach mir umso mehr ins Auge, da die durchschnittlichen US-Amerikaner eine geradezu panische Angst vor allen Arten von „pests“ (Ungeziefer) und „rodents“ (Nagetieren) hatten. Die Furcht vor dem Getier war scheinbar von den puritanisch-englischen Siedlern ererbt und seither bevölkerungsweit kultiviert worden. Die geradezu biblische Feindschaft zwischen den Töchtern und Söhnen Albions und dem Geschlecht der Hasen wurde sprichwörtlich und zum Klischee. Man denke auch bloß an die ausbrechende Panik aller Akteure, sobald in einer US-Komödie oder Sitcom einmal irgendwo ein Squirrel auftaucht. Als wären die putzigen Kerlchen irgendwelche Säbelzahnkatzen. Wie aus Plimoth Plantation berichtet, sahen die meisten US-Amerikaner in Haustieren (außer in Hunden) bereits eine Bedrohung und in Wildtieren eine Lebensgefahr. Auf dem Höhepunkt der Kältewelle im neuenglischen Winter hörte Juliane den Hinweis, dass es bei Schneefall und eisiger Trockenheit für die Squirrels, Vögel und all die anderen Kleintiere des Gartens hilfreich wäre, ihnen eine Schale Wasser auf die Veranda zu stellen. Juliane füllte also eine Plastikschale mit warmen Wasser und platzierte sie vor unserer Tür im Freien. Keine ein bis zwei Stunden später, Juliane brachte den Müll hinunter, war das Wasser schon ausgeschüttet und die Plastikschale entsorgt.
Solche, im Anbetracht der ringsum herrschenden bröckelnden Umstände und unserer bisherigen Erfahrungen als widernatürlich empfundene Anfälle von Ordentlichkeit häuften sich je näher der Zeitpunkt unseres Auszugs und der Abreise rückte. Plötzlich mussten alle Rauchmelder in unserem Apartment vom Vermieter überprüft, und ihre Batterien oder sie selbst erneuert werden. Buchstäblich bei letzter Gelegenheit hatten wir eine Erklärung zu unterschreiben, niemanden wegen der baulichen Mängel an Haus und Infrastruktur zu verklagen. Nicht unsere Vermieter und auch nicht die Stadt New Haven. Fast jeden Tag standen Doktorat-Studierende bei uns auf der Matte, um als potentielle Nachmieter unsere Wohnung zu besichtigen. Im Mietvertrag hatten wir uns zu alldem jederzeit bereit erklärt. Die letzte Interessierte, sie wohnte bisher ein Stockwerk tiefer, musste dafür listig hinter ihrer Wohnungstür gelauert haben, bis wir zum allerletzten Mal die Tür hinter uns zugeschlagen hatten.
Bis es allerdings endlich so weit war und wir auszogen, mussten wir noch jede Menge erledigen. Jede Unterbrechung der Reisevorbereitungen kam also mehr als ungelegen. Besonders Juliane wurde ordentlich gefordert. Der eigentliche Rausschmeißer ereignete sich allerdings am Abend vor unserem Auszug aus dem Apartment. Ich wollte noch einmal in den Barbershop an der Uni, um mir vor dem Abflug einen Haar- und Bartschnitt verpassen zu lassen. Dieser Friseurladen war kein hipper Barbershop wie sie gerade überall in Europa aus dem Boden sprießen, sondern ein ganz und gar traditioneller wie aus einem Clint Eastwood-Film. Und tatsächlich hing über der Kassa auch ein Porträt mit Autogramm von George H.W. Bush (1924-2018). Nicht meine politische Richtung, aber authentischer Lokalkolorit. Yale war Bushs Alma Mater, und dieser Barbershop war während seines Studiums sein Friseur gewesen. Und kleine Abschweife, CNN zeigte seit kurzem im Abendprogramm Dokumentarreihen über berühmte Republikaner wie „Tricky Dick“ Richard Nixon und die Bush-Familie. Wohl um klarzumachen, dass der amtierende US-Präsident keiner von ihrem Format und auch kein Republikaner war. Dass er kein Demokrat war, sollte inzwischen jeder Wählerin und jedem Wähler klar geworden sein. Aber zurück zum Rausschmeißer und warum Leben und Politik in den gegenwärtigen USA so kompliziert waren. Um zu dem Barbershop und meinem Haarschnitt zu kommen, nahmen Juliane und ich einen Uber. Die Wallstreet, die Seitenstraße in der der Laden lag, war eng und eine Einbahn. Sie bestand nur aus zwei Spuren, einer Fahrbahn und einem Parkstreifen. Als der hispanische Uberfahrer vor dem Friseur zwischen Blue State Café und Joseph Slifka Center for Jewish Life at Yale anhielt, um uns aussteigen zu lassen, blockierte er zwangsläufig den Verkehr. Juliane stieg aus, um mir vom Beifahrersitz und aus dem Auto zu helfen. Wir waren das schon gewohnt, in diesem Moment hupten immer ein paar Autofahrer. Sobald sie aber sahen, dass ich Hilfe beim Aussteigen benötigte und am Stock ging, hörten sie normalerweise auf. Sogar in New York City. Diesmal nicht. Einer der drei Afroamerikaner im Wagen hinter uns, er saß auf der Rückbank des angejahrten PKWs, ließ das Seitenfenster hinunter und brüllte uns an. Nein, nicht uns, er beschimpfte Juliane auf das Vulgärste. Er forderte sie lauthals zu sexuellen Handlungen mit ihm auf. Als ich mich zu ihm umdrehte, ihm direkt ins Gesicht schaute und ihn fragte, warum er sich so benahm, schrie er weiter. Ich hatte keine Lust auf ein Schreiduell. Aber kampflos wollte ich nicht untergehen. Ich war dem Kerl in meinem gut sichtbaren Zustand körperlich unterlegen, das wussten er und ich. Ich musste einen klaren Kopf bewahren. Und zu meinem ehrlichen Entsetzen war ich scheinbar auch moralisch unterlegen, da sich niemand ringsum fand, der für Juliane und mich Partei ergriff. Oder wenigstens Juliane irgendwie zu Hilfe kam. Im Gegenteil, hinter dem Schaufenster des benachbarten Kaffeehauses fanden ein paar vollbärtige Studenten, dem Aussehen nach aus dem Nahen- oder Mittleren Osten, die Szene unglaublich komisch. Ausgerechnet! Als hätten Donald Trump oder der Satan oder beide gemeinsam Regie geführt. Und die anwesenden so genannten Weißen oder „Kaukasier“ taten so, als ginge sie das alles nichts an. Einige Yalies dachten sich wohl: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!“, und sie steckten Opfer und Täter zusammen in eine Schublade, in die unterste. Kein Stereotyp wurde in dem liebevollen Arrangement ausgelassen. Wo die in diesem Teil der Stadt ansonsten stets allgegenwärtige Yale-Security gerade war, keine Ahnung. In Wien standen vor jeder jüdischen Institution rund um die Uhr zwei Polizisten. Der Wagen mit dem Schreihals kam jetzt genau vor mir zum Stehen. Der Typ plärrte weiter. Juliane war ja von ihren Ausfahrten mit dem Fahrrad schon einiges an so genannten Catcalls und Street Harassments vonseiten solcher und ganz ähnlicher Herren gewohnt, aber der hier übertraf alles bisher erlebte. Für mich war sein Benehmen der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Ich fragte ihn nochmals: „Why are you behaving like this?“ Er hielt sich scheinbar immer noch für einen ganz tollen Burschen oder Helden, dass er völlig ungehindert eine Frau und einen Behinderten auf offener Straße bedrohte. Beifahrer und Fahrer des Autos machten dagegen den Eindruck zu verstehen, was ich ihn wirklich fragte. Ich wollte in Wahrheit von ihm wissen, warum er mir bereitwillig jedes einzelne mögliche rassistische Klischee der USA vor Augen führte? Hätten die beiden mit dem Krakeeler mitgemacht, die Lage wäre so richtig ungut für Juliane und mich geworden. Aber das Auto fuhr weg. Die Stimme des Typen verklang. Solche Ausnahmesituationen gruben sich viel tiefer als jede andere Alltagserfahrung oder veröffentlichte Kriminalstatistik in das Bewusstsein. Und wenig hilfreich war dabei der biologistische und meiner Meinung nach ziemlich krankhafte Ansatz, jedes menschliche Verhalten mit dem US-amerikanischen Konzept der „race“, der „Rasse“, erklären und begründen zu wollen. Vielmehr befeuerte genau das den ohnedies in den USA schwelenden Konflikt. Der amerikanische Traum „E pluribus unum“ wirkte ausgeträumt. Für mich war der Tag jedenfalls gelaufen, für den Rest des Abends stand ich neben mir und sah mir selber dabei zu. Weder konnte ich meinen Friseurbesuch genießen – ich spürte und hörte deutlich meinen Herzschlag zwischen den Ohren –, noch das anschließende Abschieds-Abendessen mit Julianes Gastgeber und seiner Frau. Tatsächlich befand ich mich in einem Gemütszustand, für den ich mich bei vollem Bewusstsein schämte. Es war mir sogar relativ egal, dass mir die Friseurin aufgrund eines Missverständnisses zu viel Bart abgenommen und mir quasi das Kinn amputiert hatte. Dem beim Abendessen geäußerten Bedauern, dass nur so wenige Menschen mit stärkerer Hautpigmentierung das ausgewählte Restaurant besuchten, konnte ich mich im Augenblick nicht guten Gewissens und ohne zu Heucheln anschließen. Ich sagte nichts dazu. Ich entschuldigte mich aber für meine spürbare geistige Abwesenheit und erzählte, was geschehen war.
Mein Menschenbild regenerierte sich zum Glück relativ rasch, mein Abschiedsschmerz behielt einen nachhaltigen Dämpfer, und unsere bevorstehende Rückkehr nach Europa gewann über Nacht sehr an Attraktivität. Am nächsten Morgen und gerade noch rechtzeitig, erreichte Juliane die Bitte unserer Vermieterin, die Hintertür der Wohnung beim Gehen offen zu lassen. Die Mieterin im Erdgeschoss wollte das Apartment besichtigen, nachdem wir gegangen waren. Kein Problem, sobald wir aus der Wohnung draußen waren, ging uns das alles nichts mehr an. Unter großem Getöse, die Dinger waren richtig schwer und sperrig, schleppte Juliane unsere Koffer über die krachende und knarrende Holztreppe nach unten auf die front porch, wo ich sie anschließend bewachte. Unser Aufbruch war nicht zu überhören. Der junge Mann aus Usbekistan, der das letzte Jahr über uns gewohnt hatte, half uns völlig überraschend und unaufgefordert mit den Unmengen an Gepäck. Wir hatten uns schon vorher ein paar Mal unterhalten, und sein Mitbewohner und er hatten auch schon unser Apartment besichtigt. Beide waren sichtlich schockiert darüber gewesen, welchen Komfort man für seine Miete in den USA, das heißt in New Haven, auch bekommen konnte. Und das im selben Haus. Und wir sprechen hier nicht von Luxus, sondern von geraden Wänden, Vorhängen (von uns gekauft und aufgehängt), funktionierenden Armaturen und Abflüssen sowie einer Geschirrspülmaschine. Er begegnete uns zufällig zwischen all unseren Koffern und Tragetaschen vor dem Haus und sprach uns an. Irgendjemand hatte gestern seine Postpakete von der Veranda geklaut, und er hatte sich online ein Jackett für sein Praktikum gekauft. Als ihm klar wurde, dass wir gerade auszogen, schleppte er unsere Koffer und wuchtete sie sogar in den Kofferraum des gerufenen Ubers ins Hotel. Wir bedankten uns bei ihm und wünschten ihm alles Gute für sein bevorstehendes Berufspraktikum in London. Er studierte ein Fach und erlernte einen Beruf, der ihn gemäß der herrschenden Vorurteile für die Rolle des Samariters in der Not überhaupt nicht qualifizierte: Investmentbanker. Und gerade als mir die freundliche schwarze Uberfahrerin den Sicherheitsgurt angelegt hatte und losgefahren war, erhielt Juliane eine Kurznachricht von der Vermieterin, ob sich unsere Nachbarin jetzt das Apartment ansehen kommen konnte, eine Theologiestudentin aus Ohio.

Aus den beschriebenen Gründen hielt sich meine Lust, das Hotelzimmer zu verlassen in Grenzen. Ich hatte mich schon vor dem Zwischenfall am Barbershop auf der Straße nicht wirklich sicher gefühlt. Im öffentlichen Raum fühlte ich mich als behinderter Mann immer irgendwie als potentielles Opfer ausgemacht. In kurzer Zeit quatschte mich fast immer jemand wegen Kleingeld oder sonst irgendwas an, und die seit zwei Jahren täglich in Julianes Mailbox eintreffenden Polizeiberichte von Ronnell Higgins, dem Chief of Police at Yale University, trugen auch nicht zu meiner Beruhigung bei. Die Überfälle und Übergriffe häuften sich. Und Chief Higgins, einem respektgebietenden breitschultrigen Afroamerikaner, kann wirklich niemand vorwerfen, im Dienste von Hetze und Panikmache zu stehen. Im Gegenteil, sein Auftrag und Anliegen war es stets, der Universitätsstadt Beruhigung und Sicherheit zu vermitteln. Diesen Job erledigte jetzt für mich das Zimmer im New Haven Hotel. Hier schloss sich für Juliane und mich auch endlich der Kreis. Wir hatten die erste Nacht in New Haven in dem Haus verbracht und auch unsere letzte. Während Juliane die abschließenden Wege erledigte, unsere Handyrechnungen mussten bezahlt und noch einige Dinge aus der Apotheke abgeholt werden, zog ich mich an den Schreibtisch zurück und schrieb meine Erinnerungen an Tennessee und North Carolina nieder. Eigentlich hatte ich noch einmal an den Lighthouse Point an die Bucht gewollt, aber weder das Wetter, strömender Regen, noch meine Stimmung sprachen dafür. Ich verließ das Hotelzimmer nur, um ein letztes Mal in der Box 63 in der Elm Street ein Jambalaya zu verputzen. Juliane und ich trafen eine ihrer Kolleginnen zum Abendessen, die lustiger Weise auch aus Wien stammte und mit deren Familie wir bereits Sylvester gefeiert hatten. Das wurde ein freundlicher Abend und versöhnte mich zum Abschluss.
Bereits zu Mittag buchten wir aus dem New Haven Hotel aus. Unser GoShuttle nach JFK war pünktlich, und wir waren seine einzigen Fahrgäste. Den Fahrer kannten wir bereits, er stammte ursprünglich aus Syrien und litt seit kurzem erst an einem Nierenleiden. Er hatte so einiges zu erzählen und wollte auch einiges von uns wissen. Es wurde eine angenehme und unterhaltsame Fahrt. Auch der Verkehr auf dem Highway nach New York City präsentierte sich ruhig und entspannt. Ganz anders als erwartet. Die Kehrseite der Medaille, aber jetzt nicht unbedingt ein Nachteil, wir hatten noch sechs Stunden bis zu unserem Flug nach London. In aller Ruhe konnten wir unsere Gepäckmengen einchecken und die Sicherheitskontrollen absolvieren. Endlich wurde unsere lange gehegte Frage beantwortet, wer bitte diese Leute waren, die mit Unmengen an Koffern und Trolleys verreisten und warum. Heute waren es Juliane und ich, die solche Massen mit sich herumzerrten. Die restliche Wartezeit verkürzten wir uns am Gate. Da von hier die transatlantischen Flüge abgingen, war dieses besser mit Gastronomie und Shops ausgestattet. Fad wurde uns nicht, es gab auch viel zu beobachten.
Auf unserem Inlandsflug nach Knoxville, TN hatte ich unbeabsichtigt mitangehört, dass Fluggäste, die den Special Service benötigten, vom Flugpersonal „Jackpot“ genannt wurden. Damals war ich einer von zwei „Haupttreffern“ gewesen. Vor den Sicherheitskontrollen in JFK war ein alter Mann in seinem Krankenfahrstuhl kollabiert. Uniformierte standen ringsum, und ein Verwandter fächelte dem in sich zusammengesunken Mann Luft zu. Ein dicker Speichelfaden troff aus seinem Mundwinkel, und ich bezweifelte in meinem tiefsten Inneren, dass er seine Reise fortsetzen würde können. Er erschien mir endgültig angekommen. Im nächsten Moment strömten Menschen in freudiger Erwartung an ihre bevorstehende Flugreise vorbei. Am Gate gegenüber, von wo beinahe zeitgleich mit unserem der Flug nach Kairo startete, sammelte sich an diesem Nachmittag ein Topf von gezählten zwanzig Jackpots. Die Special Service-Mitarbeiter des Flughafens stellten jeweils drei Rollstühle in sechs Reihen für das Boarding zusammen. Zwei weitere warteten schon an der Tür zur Fluggastbrücke. Beinahe im Minutentakt gesellten sich neue hinzu. In der überwiegenden Mehrheit der Krankenfahrstühle saßen Frauen. Zu diesen zahlreichen Flugästen mit besonderen Bedürfnissen traten am Beginn des Boardings auch vier Mütter mit behinderten Kindern dazu. Natürlich wurde der Transkontinentalflug von einem riesigen Flugzeug durchgeführt, trotzdem berührte mich dieser Anblick sehr, und eigentlich wusste ich nicht wirklich, was ich mit diesen Eindrücken anfangen sollte.
Waren die USA für mich zum Land der unendlichen Widersprüche geworden, so bildete der JFK Airport einen abschließenden Kulminationspunkt. Auf meiner einen Seite muslimische Frauen mit Kopftuch und im Tschador, im Durchgang in der Mitte elegante Stewardessen in hochhackigen Schuhen, und auf meiner anderen Seite das rothaarige Pin-up-Girl mit dem Union Jack an der Nase unseres Airbus von Virgin Atlantic. Bei ihr war nur eines klar, nämlich dass sie nicht Theresa May darstellte. Dann ging alles recht schnell, ich wurde über die Fluggastbrücke gerollt, die Flugbegleiter übernahmen unser Handgepäck und führten uns an unsere Plätze. Beim kurz laut werdenden Tumult, wer um alles in der Welt zwei Gepäckfächer mit seinem Zeug vollgepackt hatte, schlugen Juliane und ich die Augen nieder oder guckten beim Fenster hinaus. Zum Glück sah man wegen der Gesichtsmasken aus dem Krankenhaus unsere schuldigen und ertappten Mienen nicht.
Wir waren froh in London umzusteigen, solange das Vereinigte Königreich dank der jüngsten Fristverlängerung noch Teil der EU war. Trotz aller Brexit-Verwirrung zeigte sich Heathrow diesmal für seine Verhältnisse gnädig. Keinesfalls reibungslos, aber kooperativ. Nur eine Security-Mitarbeiterin kippte den Inhalt meiner Pillendose in die Plastikschale an der Sicherheitskontrolle, als wären meine Tabletten einfache Aspirin. Laut entsprechenden Erhebungen sind die grauen Dinger so ziemlich der dreckigste Ort auf Erden. Und ein paar Männer in der Warteschlange fanden es sinnvoller herum zu maulen, dass wir zu viel Zeit und Platz beanspruchten, anstatt Juliane beim Einsammeln und Freiräumen des Rollbands zu helfen. Der Special Service klappte diesmal, wir rollten pünktlich über die Fahrgastbrücke in das Flugzeug nach Wien. Gerade hatten wir aufatmend und ohne Blick zurück im Zorn die Studierenden von Yale hinter uns gelassen, hier krachten wir in eine Reisegruppe Wiener Privatschüler. Dieselbe zur Schau getragene innere Haltung bei etwas unterschiedlichem Background und in einem völlig anderen Dialekt.
Obwohl der zweite Flug im Vergleich zum ersten nur Kurzstrecke war, gestaltete er sich qualvoll. Das lag weder am Personal noch am Flugzeug oder an den Mitreisenden. Nach einem Transatlantikflug tut einem einfach alles weh. Am Flughafen Wien angekommen, redete jeder Mitarbeiter wie selbstverständlich mit mir Englisch. Mit Juliane sowieso. Auch in den USA hielten sie alle für eine Polin oder Russin. Das war der erste merkbare Kulturunterschied. Fähigkeit und Bereitschaft, eine Fremdsprache mit Gästen zu sprechen, waren schon in London ungleich größer gewesen als in den USA. Wobei es in England natürlich aufgrund der Landessprache noch nicht so aufgefallen war. In Wien fiel mir das unmittelbar ins Ohr, da ich hier eigentlich erwartet hatte, in meiner Muttersprache angesprochen zu werden. Aber genau wie ich es vor zwei Jahren beabsichtigt hatte, hatte ich mein Aussehen völlig an die USA angepasst. Jetzt fiel ich in Tennessee oder New York nicht mehr auf, dafür wurde ich in meiner Heimatstadt als Fremder begrüßt. Es wird wohl etwas Zeit in Anspruch nehmen, mich meinem neuen alten Umfeld wieder anzupassen.
Dass mit dem öffentlichen Raum in Neuengland Grundsätzliches nicht in Ordnung war, zeigte sich an meiner Verblüffung und Begeisterung darüber, wie gepflegt die Wiener Flughafenautobahn und die Landschaft ringsum waren. Sogar die Raffinerie in Schwechat war im Vergleich zu den Industrieruinen in Bridgeport eine Augenweide. Nur der Verkehr erschien mir hektischer als gewohnt, und die beteiligten Autos winzig. Und der zehnte Wiener Gemeindebezirk Favoriten, hierzulande übel beleumundet und sogar verschrien, präsentierte sich meinen Augen sauber und aufgeräumt. Die Gehsteige, Fassaden und Grünanlagen, nirgends Zeichen oder Spuren von Abfallhalden und strukturellem Verfall. Das angesichts dieser Umstände aufkommende Gefühl des Glücks und der Befriedigung kann, denke ich, nur nachvollziehen, wer wirklich länger mit allen Höhen und Tiefen in den USA gelebt hat. Es mag wie ein altväterlicher Kalauer klingen, aber wir haben in Europa keine Ahnung, wie schön wir es nach wie vor auf unserem gemeinsamen Kontinent haben. Diese Erkenntnis traf mich wie ein Faustschlag. Der Unterschied war gewaltig. Man musste ihn bloß sehen. Das wäre jedoch auf beiden Seiten des Atlantiks unerwünscht. Weshalb es mich nicht im Geringsten wunderte, dass US-amerikanische Produktions- und Distributionsfirmen für Dreharbeiten in Übersee ganze Straßenzüge europäischer Städte mit schwarzen Müllsäcken und Graffitis verwüsten lassen, damit z.B. Hamburg (rosa Müllsäcke, gelbe bzw. weiße Wertstoffsäcke) auf Leinwand und Bildschirm genauso scheiße aussah wie New York City („A Most Wanted Man“, 2014, Lionsgate).
Größer als bei meinem ersten Besuch im Allgemeinen Krankenhaus der Meduni Wien hätte der Kulturschock aber nicht ausfallen können. Im Vergleich zum nicht für die breite Masse bestimmten Yale New Haven Hospital brummten die riesigen Gebäude geschäftig wie Bienenkörbe. Hier wurde sogleich beim Eintreten spürbar und augenfällig, wie viele Menschen mehr Zugang zu medizinischer Versorgung hatten, und auch welche positive Auswirkung das für die Bevölkerung brachte. Nichtsdestotrotz, in der Frühlingssonne vor dem AKH habe ich an einem einzelnen lauen Morgen mehr Raucher gesehen als an allen 730 Tagen in den USA zusammen. Im Restaurant des Yale New Haven Hospitals gab es Cheeseburger und Pommes frites zu kaufen, im AKH Zigaretten und Alkohol. Jeder Bevölkerung ihr ureigenes Gift.

Fortsetzung folgt…

Montag, 1. April 2019

Ein Ösi in Connecticut (Teil 42)


Teil 42: Grand Smoky Mountains National Park, TN -NC und Cherokee, NC


Kaum zu glauben, ich schreibe meinen letzten Blog-Eintrag über Julianes und meinen USA-Aufenthalt in New Haven, CT. Nicht mehr an meinem Schreibtisch, aber im Hotel. Nur noch einmal schlafen, und ich bin kein „Ösi in Connecticut“ mehr. Mit Teil 43, „Rückkehr und Fazit“, wird nicht nur unser zweijähriges Leben mit Migrationshintergrund enden, sondern auch dieses Projekt abgeschlossen sein. Und ich möchte mich sehr herzlich bei allen Leserinnen und Lesern für das vielfältige und rege Interesse bedanken. Der Blog hat zwar nur neun offizielle Follower, aber er hat dafür 66 377 Seitenaufrufe verzeichnet. Immer wieder wurde ich auch im wahren, dem analogen Leben interessiert und voller Entdeckerfreude auf meine Zeilen im Internet angesprochen. Vielen Dank!
Eine Reise in den Süden bildete unseren letzten Ausflug innerhalb der USA. Diese führte uns aus Connecticut in Neuengland nach Tennessee und North Carolina unterhalb der Mason-Dixon Linie. Also jenseits der bis heute ziemlich konfliktreichen Trennungslinie zwischen dem Norden und dem Süden der Union. Und nicht selten wurde ich darauf hingewiesen, dass ich mich „dort unten“ im Vergleich zu Nordengland wie in einem anderen Land fühlen werde. Alle, die diesen Hinweis an mich richteten, meinten es von ihrem Standpunkt aus positiv. Obwohl sie alle unterschiedliche Aspekte ansprachen. Beim Süden der USA denkt jede und jeder vor allem eines, nämlich Vorurteile. Die positiven Vorurteile besagen, dass die Menschen in Tennessee und North Carolina im Unterschied zu den „hochnäsigen Yankees“ freundlich, höflich und gastlich sind. Die negativen sehen dort „unten“ Trump-unterstützende Hinterwäldler, die Grillpartys im Schatten der Auspuffgase ihrer Pick up-Trucks und unter der Battleflag der Konföderierten veranstalten. Die wechselseitigen Ressentiments speisen sich naturgemäß aus der etwas älteren und vor allem der jüngeren Geschichte der USA. Juliane und ich haben uns unsere eigenen Bilder gemacht. Mich lockten die Menschen in den Great Smoky Mountains National Park, die schon entlang des Mississippi und im Südwesten der USA lebten, bevor die ersten so genannten „Indianer“ Columbus entdeckt hatten.
In den Bergen am Ocunaluftee River, rund um die Stadt Cherokee in North Carolina, liegt die Reservation der Cherokee Nation. Eine First Nation, die zu den so genannten „Five Civilized Tribes“ gehörte. Cherokee, Chickasaw, Choctaw, Creek (Muscogee), und Seminolen unterhielten seit der frühesten kolonialen Phase auf dem nordamerikanischen Kontinent wirtschaftliche, politische und diplomatische Kontakte zu Europa. Durch wechselseitige Verträge geregelte Verhältnisse bewirkten, dass diese Nationen die europäische Lebensweise übernahmen. Nach dem Unabhängigkeitskrieg erfüllten sie alle von den USA gestellten Bedingungen, um Bürger der USA zu werden, wie ihren gewählten Regierungen von Washington, Jefferson und Knox versprochen worden war. Seit Anbeginn der Zeiten Farmer, schufen die Cherokee den infrastrukturellen Aufschwung und die wirtschaftliche Grundlage des Südwestens der USA. Inklusive Plantagenwirtschaft, was einen dunklen Schatten auf ihre Geschichte wirft. Seit 1790 wurde im Südwesten der USA der „Plan of Civilization“ umgesetzt, der Geschlechterverhältnisse und Religion der einheimischen Bevölkerung vollkommen an die Lebensart der Einwanderer und Siedler aus dem Norden und Europa anpasste. Kurz und polemisch zusammengefasst: Aus Männern wurden Frauen gemacht, und aus Frauen Hunde. Zuvor für die Landwirtschaft verantwortlich, verschwanden die Frauen aus dem öffentlichen Leben. Was keineswegs zeitgemäß „europäisch“ gedacht war, sondern rein US-puritanisch. Das Christentum in seiner US-amerikanischen Interpretation löste das traditionelle Weltbild ab. Vor allem durch das Wirken der Foreign Mission School (1817-1826) in Connecticut, die auch einheimische und farbige Prediger ausbildete. Die Cherokee-Sprache wurde mittels eines einzigartigen Syllabars verschriftlicht. Am Ende der Entwicklung entstand eine Zeitung mit Amtsblatt der Cherokee Nation. Der Wohlstand der Cherokees weckte Begehrlichkeiten, vor allem vonseiten Georgias. Ungeachtet aller bilateralen Verträge mit der englischen Krone und aller Versprechen von US-Präsidenten und US-Secretaries of State unterzeichnete US-Präsident Andrew Jackson am 28. Mai 1830 den Indian Removal Act. Jener Andrew Jackson (1767-1845), dem ein Cherokee-Krieger einst das Leben gerettet hatte. Ein Gesetz, dass Juliane und mir noch vor wenigen Tagen als Besucher des Kapitols in Washington DCs als eines in einer langen Reihe von „großartigen“ Gesetzen präsentiert wurde, das durch das demokratisch gewählte Repräsentantenhaus erlassen worden war. Tatsächlich führte dieses Vertreibungsgesetz zum „Trail of Tears“, dem Genozid an der Cherokee Nation. Dieses Gesetz bewirkte, dass „indianische“ Haus-, Land- und Geschäfts- und Gewerbebesitzer mit staatlicher Gewalt von ihrem Besitz vertrieben wurden, der unmittelbar an bereits wartende Weiße übergeben wurde. Die Vertriebenen wurden in Konzentrationslager gesperrt. Die Deportation in die so genannten „Indianergebiete“ mussten die Cherokee selbst organisieren und finanzieren. Der Tod unzähliger Menschen in den Lagern, auf Todesmärschen und während der „Umsiedelung“ wurde wissentlich von den Regierungen in Atlanta und Washington DC in Kauf genommen. Ich glaube nicht, dass ich an dieser Stelle extra erwähnen muss, an was mich dieser organisierte Genozid an assimilierten Mitbürgerinnen und „Ja leider dann doch nicht“-Staatsbürgern erinnerte.
In Washington, DC hörte ich immer wieder Menschen davon sprechen, dass die USA endlich ihren „eigenen Holocaust“ bekannte. Sie hatten alle das „Museum of African American History“ in der Hauptstadt der USA besucht und waren ehrlich und meiner Meinung nach völlig zurecht vom Gesehenen und Erlebten schockiert. Der transkontinentale Sklavenhandel ist eines der widerlichsten und abartigsten Kapitel der Weltgeschichte. Ein Verbrechen an Unschuldigen, das Europäer, Araber und Afrikaner gleichermaßen involvierte und schuldig machte. Trotzdem hinterließ die Formulierung einen bitteren Nachgeschmack auf meiner Zunge. Und dieser laute und oft gehörte Ausruf der Empörung klang in meinen Ohren nicht nur, sondern auch nach Bewunderung und „Sündenstolz“. Im Sinne von, die USA reiht sich nun ganz in die Reihe der imperialistischen Kolonialreiche ein, sie ist endlich im Guten wie im Bösen in einem Atemzug mit Groß Britannien, Spanien, Frankreich und Deutschland zu nennen. Eine „vollkommene“ Großmacht mit festem Platz in der Geschichte. Auch wenn immer wieder der Versuch unternommen wurde und wird, die Verantwortung für Plantagenwirtschaft und Sklavenhandel an den „Europäern“ festzumachen. Die Ermordung, Versklavung und Vertreibung der Native Americans, der Kariben und der Polynesiern durch die USA seit 1776 war im selben Atemzug völlig vergessen. Die ersten Regimenter, rekrutiert aus befreiten afrikanischen Sklaven, kämpften nicht im Bürgerkrieg gegen die Konföderierten, sie kämpften 1812 unter britischer Flagge gegen die USA.
Besonders unappetitlich wird diese an sich schon widerliche Diskussion, wenn man tut, was man erfahrungsgemäß besser niemals tun sollte, nämlich die Kommentare im Internet zu lesen. Zum Beispiel unter dem YouTube-Video Trevor Noahs und der Daily Show von Comedy Central zum Thema möglicher Reparationszahlungen an die Nachkommen schwarzer Sklaven in den USA. In den Kommentaren dort entlädt sich die gesamte Kraft des „Teile und Herrsche“ der aktuellen Identitätspolitik, sobald jemand auf die Verbrechen an den Native Americans verweist. Schnell sind sich auch bisher unversöhnliche Bevölkerungsteile einig, die „Indianer“ würden „ja genug Geld mit ihren Kasinos in den Reservaten verdienen“. Was jedoch ein Reservat ist, und wie diese Menschen dorthin gelangten, spielt in dieser Interpretation der „Geschichte“ keine Rolle. Es zählt alleine das „they make money enough“. Da wird die „heritage“/ „das kulturelle Erbe“ ganz schnell wieder ahistorisch. Haltungen haben keinen Wert, sondern einen Preis. Oder noch übler, die eine oder der andere verweist geschickt darauf, dass die Plantagenbesitzer unter den Natives auch Sklavenhalter waren. Ist diese Feststellung als Argument gedacht, den „Trail of Tears“ rückwirkend und „rassenübergreifend“ zu einer „rechtmäßigen Enteignung“ zu machen? Und wie verfahre ich gegenüber den Nachkommen jener schwarzer Sklaven, die am Trail of Tears mit ihren indianischen Besitzern teilnahmen, um nicht in die Hände der weißen Profiteure zu geraten?
Damit wir uns an dieser Stelle nicht missverstehen: Ich finde es weder angemessen noch sinnvoll, ein Verbrechen wider das andere aufwiegen zu wollen. Sie existieren als historisches Faktum unabhängig voneinander und sollten auch auf diese Weise betrachtet werden. Aber wer von alldem noch nie etwas gehört hat, der hat keine Möglichkeit dazu. Und im US-amerikanischen Schulunterricht findet nichts von alldem, das ich soeben kürzest möglich umrissen habe, Erwähnung. Darin haben zwar die „Underground Railroad“ und die Abolitionisten ihren berechtigten und fixen Platz, aber die „Five Civilized Tribes“ aka die Nachfahren der Mississippi Kultur wurden zum ersten Mal in ihrer Geschichte vom Mittelalter bis zum neunzehnten Jahrhundert zu einem weißen Fleck auf der Landkarte.
Und weiße Flecken auf der Landkarte ziehen Europäer an wie faules Obst die Fliegen. Dank „23andMe“ weiß ich jetzt, dass ich zu 100% Europäer bin, weshalb mich Cherokee wohl auch magisch anzog. Und ich wollte Schwarzbären sehen. Kleine Schwarzbärchen, die auf Bäume kletterten. So hat mir das eine Dokumentation über den Frühling in den „Great Smoky Mountains“ in Washington im Hotel versprochen.
Unsere Anreise begann auf dem LaGuardia Airport. Also eigentlich mit der Fahrt auf den Flughafen via GoShuttle. Schlechte Erfahrungen mit und die Angst vor dem Highway nach New York City führten dazu, dass Juliane und ich pünktlich drei Stunden zu früh in LaGuardia eintrafen. Andere Erlebnisse wie ewige Wartezeiten, bummelnder Specialservice und hübsche Restaurants an den Gates motivierten meine Gattin dazu, schleunigst zum Abfluggate zu eilen. Vorbei am Food Court und den hübschen Geschäften. Hinter dem Sicherheitsprozedere, wie üblich kein Spaß und reichlich ätzend, dann die unschöne Überraschung: Die Flüge von New York City nach Knoxville, Tennessee gehen natürlich nicht von den gut ausgestatteten und repräsentativen Flugsteig ab. Unser Flugzeug startete von einem weit abgelegenen Flugsteig aus, der mich mit seinem originalgetreu erhaltenen Retro-Chic an den Flughafen Wien Schwechat in den 1980igern erinnerte. Derselbe Fußboden, und auf den schwarz-gelben Hinweistafeln derselbe Schriftsatz wie einst in Wien. Wie gesagt, im Original erhalten, darum auch etwas baufällig und abgenutzt. Unnötig zu sagen, dass es hier kein einziges der trendigen Restaurants gab. Nur insgesamt zirka fünf oder sechs Geschäfte: Imbissbuden, Gebäck- und Zeitschriftenläden. Die Automaten mit Süßigkeiten, Unterhaltungselektronik (z.B. Kopfhörer), Drogerie- und Apothekenartikel nicht zu vergessen. Ich hatte ja jetzt Zeit genug, spazieren zu gehen und mich anzusehen. Im Vorübergehen beobachtete ich die vereinsamten und darum leicht verhaltensoriginellen Verkäuferinnen, Angestellten und Sicherheitsleute, und recht schnell taufte ich diesen Teil des Flughafens auf „das Gate der Verdammten“. Trotzdem waren wir nicht die einzigen, die so früh bereits auf den Abflug nach Tennessee warteten. Die Wartebänke füllten sich schnell mit Reisenden, die offensichtlich so schnell wie möglich aus dem Moloch New York weg und wieder nachhause wollten. Ich fühlte mich wiederum in meine Kindheit versetzt, diesmal in die Wartehalle des Wiener Busbahnhofs auf dem Weg ins Waldviertel. Dieser Eindruck wurde von meiner Verblüffung darüber, dass sich scheinbar alle Fahr- bzw. Fluggäste persönlich kannten, noch verstärkt. Endgültig sicher war ich mir, hier und jetzt mit einem fliegenden Linienbus zu reisen, als ich das Flugzeug selbst sah: Zwei Bankreihen auf jeder Seite. Wie meine Frau sich auszudrücken pflegt, ein fliegender Schlauch.
Dieser fliegende Linienbus brachte uns sicher und wohlbehalten in knappen zwei Stunden nach Knoxville. Und hätte Horn im nördlichen Waldviertel einen Flughafen, so würde der auch aussehen. Picobello sauber, ein künstlicher Flusslauf mit Felsen und Stromschnellen im Übergang zur großen Ankunfts- und Abflughalle. Heute weiß ich, dass er den Ocunaluftee River darstellen sollte. In der Halle ausgestellt: Landmaschinen, Farmbedarf und Motorboote. Landwirtschaft und professionelles Fischen an den lokalen Seen stellen die Hauptinteressen und Erwerbquellen der Region dar. Der junge Mann vom Specialservice wartete bereits am Flugzeug auf uns, mit Rollstuhl und allem. Er brachte uns zuverlässig vor die Flughafenhalle und wartete mit uns auf den Uber-Fahrer. Im Gespräch stellte sich heraus, dass er Cherokee war. Er erklärte mir ausführlich, freundlich und ungefragt, wie ich am besten am nächsten Tag mit dem Mietwagen in unser Hotel in Cherokee fahren sollte, das heißt: auf der landschaftlich schönsten Straße durch den Nationalpark. Julianes Trinkgeldangebot lehnte er höflich aber bestimmt ab. Nachdem er tatkräftig mitgeholfen hatte, mich und unser Gepäck ins Auto zu verfrachten. Es war schließlich seine Aufgabe, uns zu helfen. Die Reaktion bestimmter Specialservice-Mitarbeiter in New York auf ihrer Meinung zu wenig Trinkgeld sprach eine ganz andere Sprache.
Der Uberfahrer, der uns zu unserer ersten Übernachtung im nahen Flughafenhotel brachte, war ein pensionierter „nurse“ der Air Force. Als er hörte, wo wir morgen hinwollten, freute er sich, er wohnte nämlich dort oben in den Bergen. Er erklärte mir freundlich und ausführlich, wie ich am besten, also auf der schönsten Straße durch den Nationalpark, zu unserem Hotel in Cherokee kam. Es war dieselbe Route wie zuvor. Schade, zu unserem Hotel heute hätten wir in wenigen Minuten auch gehen können, allerdings hätten wir dazu den Highway überqueren müssen. Wir hielten das ja schon damals für keine gute Idee, aber in Wahrheit hatten wir keine Ahnung, wie herausfordernd der Highway in Tennessee werden konnte. Dazu später mehr.
Unser erstes Abendessen in Tennessee bekamen wir direkt nebenan in einem Kettenrestaurant von „Ruby Tuesday“. Erster unmittelbarer Kontakt mit der lokalen Bevölkerung: Juliane betritt die Szene und löst Erstaunen aus. Blick auf mich, ihre Begleitung, führt zu Entspannung. Ganz normaler Typ, scheinen sie alle zu denken. Die meisten Männer tragen Vollbart und eine Schirmmütze. Ein etwas älterer Herr mit geflochtenen Zöpfen im Bart grüßt mich, als er geht. Die Kellnerin ist total nett. Die gegrillten Rippchen sind köstlich. Als Getränk dazu empfahl die Speisekarte: Jack Daniels und Cola. Kein Preis. Was soll´s, wir sind in Tennessee! Die Rechnung brachte s an den Tag: Der Whiskey kostete zwei Dollar, das Cola vier. Der Kaffee übrigens 2,90 Dollar.
Am nächsten Morgen in der Lobby ein befremdendes Erwachen. Die Rezeptionistin dozierte beim Auschecken ausführlich ihren Gesundheit- und Immunzustand aufgrund einer Bestrahlungstherapie. Ich dachte, zu viel Information, und Juliane wurde gleich auf mein ernstes Gesicht angesprochen. Ich bekäme auch eine Strahlentherapie, erklärte Juliane. Die Dame hinter dem Tresen nickte verständig, ergriff meinen Unterarm, große Verbrüderung. Ich wusste also, wovon sie redete. Währenddessen ertönte eine aufgeregte Stimme hinter uns. Ein älterer Typ mit Schirmmütze und Ohrenstöpseln ereiferte sich gegen die korrupten „Scumbags“ in Washington. Verabschiedung und Flucht ins Freie.
In der warmen Frühlingssonne holte mich der Erboste wieder ein. Und er warnte mich besorgt: Wir sollten auf uns aufpassen. Er trage seine Ohrstöpsel aus gutem Grund. Die Regierung pflanzte nämlich Mikroben und Bohrwürmer in seinen Körper. Die Amish benutzten diese Tiere zur Folter. Alles im Lande sei korrupt, und „sie“ wären überall. Juliane starrte auf ihr Smartphone und sehnte unseren Uber zum Mietwagenverleih herbei. Ich musste irgendwie entgleist geguckt haben, obwohl ich mich sehr um professionelle Miene bemüht hatte. Jedenfalls seufzte mein Gegenüber traurig, dass ich davon wohl noch nie etwas gehört haben werde. Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß. Daraufhin wünschte er mir das Allerbeste, und beteuerte abermals, wir sollten gut auf uns aufpassen. Er selbst wollte sich wieder in die Berge zurückziehen. Okay, hier war er also, der paranoide und psychotische Hinterwäldler. Aber zum Glück auch unser Uber zur Mietwagenfirma.
Bevor ich den Wagen, einen Nissan, übernehmen gehen durfte, erklärte mir der Angestellte von Enterprise zum dritten Mal, freundlich, ausführlich und ungefragt wie ich am besten, also auf der schönsten Straße durch den Nationalpark zu unserem Hotel in Cherokee fahren sollte. Es war wieder dieselbe Route. Ich hatte allerdings von Anfang an vor, sie zu fahren. Hatty hatte sie mir schon im Krankenhaus erklärt, sie hatte in North Carolina gelebt. Jetzt hatte sie sich eingeprägt, ich konnte mich gar nicht mehr verfahren. Zwischen mir und dem Lenkrad lag nur noch die Bürokratie, und die verlief etwas zäh, weil der junge Mann verstand, ich würde „Vice“ heißen, was ihn sehr irritierte. Mit meinem Führerschein konnte ich ihm glaubhaft machen, nicht wie das „Laster“, sondern einfach wie die (Nicht-)Farbe auf Deutsch zu heißen: Weiss. Aber das Material meines Führerscheins hatte es ihm noch mehr angetan als mein Nachname. Woraus wir, die Europäer, diese hervorragenden Dokumente herstellten, wollte er wissen. Er sah so viele davon, einige wie meiner aus den Neunzigern, und keiner war zerschlissen. Das imponierte ihm.
Mich beeindruckte die Landschaft, die ich nur wenige Minuten später fuhr. Erster Eindruck: Kein Müll. Beinahe nirgends. Vielleicht ein Pappbecher neben der Straße in fünf Meilen. Der Highway selbst in gutem Zustand. Bis auf einen Abschnitt, auf dem auf den alten Straßenbelag einfach ein neuer asphaltiert worden war. Diese Lösung hatte den letzte Winter nicht überlebt. Der Frost hatte riesige Löcher in die Fahrbahn gesprengt. Das Stück war etwas anspruchsvoll zu fahren. Die Häuser und Gärten links und rechts der Straße waren allesamt gepflegt. Auch jene der sichtbar ärmsten Bewohner. Deutliches Zeichen für den völlig anderen Zugang zu Eigentum als in Neuengland: die zu Füßen beinahe jeden Postkastens gepflanzten Märzenbecher und Narzissen.
Zwischen Ausfahrt Highway und Einfahrt Nationalpark liegt Gatlinburg ausgestreckt. So viel wir davon gesehen haben, eine Straßensiedlung aus Einkaufszentren, Vergnügungsbetrieben, Themenparks und sogar einer auf Kiel liegenden Titanic. Genau das also, was man in den USA als Tourismuszentrum bezeichnet. Und es war Spring Break. In Restaurants wurden während des Abendessens auf Showbühnen Aufführungen gezeigt. In dem meisten davon bekriegten sich die legendären Hatfields und MacCoys. Die Fehde der beiden Familien war in den restlichen USA für unverzeihlichen Hass und Hinterwäldler an sich zum Synonym geworden. Es gibt sogar eine oder mehrere Fernsehserien. Und es wäre nicht Tennessee, gäbe es nicht auch hier eine lokale Country Music Legende. In Gatlinburg war es niemand geringerer als Dolly Parton. Sie hatte entsprechend ihr eigenes Dollywood. Etliche Wegweiser wollten uns nach Dollywood´s Splash Country, in das Dollywood´s DreamMore Resort oder zu den Dollywood´s Smoky Mountains Cabins locken. Wir verstanden allerdings nicht, weshalb wir uns in künstlichen Themenparks vorgaukeln lassen sollten, was keine fünf Minuten Autofahrt tatsächlich auf uns wartete. Gemessen an den vollen Parkplätzen Gatlinburgs waren wir jedoch mit dieser Meinung in der Minderheit. Vielleicht war das a auch ganz gut so. Immerhin für die Schwarzbären und anderen Tiere im Nationalpark.
Natürlich waren wir nicht alleine im Nationalpark. Es war Spring Break. Wie so eindrücklich empfohlen folgten wir der 441, einem typischen Beispiel für die Beschäftigungspolitik der 1930iger Jahre, in Schweißes Angesicht und mit den Händen vom CCC errichtet, dem Civilian Conservation Corps. 1933 gegründet, und sichtlich genauso ordentlich wie seine europäischen Vorbilder. Der Vorteil davon, eine mit Granitmauern befestigte zweispurige Straße mit klug angelegten Ausweichen und malerischen Tunnels. Die Berge ragten schroff und bewaldet zu allen Seiten auf. Und unten im Tal donnerte der Ocunaluftee River. Von der Straße gingen auch die zahlreichen Wanderrouten ab, die auch alle sehr beliebt zu sein schienen.
Die Bäume waren Großteils noch kahl, so dass ihre Stämme und Äste silbern in der Frühlingssonne glänzten. Die ersten Knospen der Blätter und Nadeln wirkten gut sichtbar und gleichzeitig schemenhaft das erste Grün hinein. Von den Parkplätzen an den Panoramablicken konnte man weit ins Land schauen. Schnell wurde einem dort klar, woher diese Berge ihren Namen hatten. Die Gipfel ragten dunkel in der Ferne auf und dunsteten. Ein Schleier aus silbergrauem Nebel lag über den Wipfeln und vor dem Horizont. Schwarzbären sah ich leider keine, aber einige majestätische Greifvögel zogen ihre Kreise über den naturbelassenen Tälern und Hängen des Great Smoky Mountains Nationalparks.
Die Errungenschaften der amerikanischen Zivilisation stellten mich im Hotel vor eine echte Herausforderung. Kurz zweifelte ich an meinem Verstand. Der Grund war, dass ich relativ kurz aufeinanderfolgend in verschiedenen Hotels geschlafen hatte, aber alle Zimmer geradezu gleich aussahen. Washington, Knoxville und jetzt Cherokee, überall fast der gleiche Zimmergrundriss, die gleichen dunklen Möbel, derselbe Teppichboden und ein beinahe identisches Badezimmer. Typisch für US-amerikanische Hotels. Vielleicht um Vielreisenden das Gefühl eines Zuhauses zu vermitteln? Ich wusste kurz ehrlich nicht mehr, wo ich war. Oder anders ausgedrückt: Ich suchte meinen Kamm dort, wo ich ihn am Morgen hingelegt hatte und ärgerte mich, dass ihn Juliane weggeräumt hatte. Sie klärte mich aber auf, dass ich heute Früh in einem anderen Hotel in einer anderen Stadt gewesen war. Zu guter Letzt habe ich einen Riesenschreck bekommen, als ich aus dem Aufzug ausgestiegen und in die Hotellobby gegangen war. Die sah plötzlich ganz anders aus als erwartet! Möglicherweise hilft es Handlungsreisenden, aber mich versetzte diese Uniformität der Hotelzimmer und Hotels kurz in echte Panik.
Am Abend des St. Patrick´s Days besuchten wir das Casino. In mehrfacher Hinsicht war das unvermeidlich. Das Harrah´s Cherokee Hotel und Casino war das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum des Reservats, und suchten wir Sonntagabends ein offenes Restaurant fanden wir es dort. Harrah´s ist sehr viel kleiner als Foxwoods in Connecticut, aber im Grunde spielt sich in den Hallen dasselbe ab. Der größte Bereich ist mit grellen und lauten Automaten vollgestellt, an Spieltischen wird Roulette und Black Jack gespielt und in abgetrennten und ruhigeren Räumen kann gepokert werden. Es gibt ein kleines Einkaufszentrum mit zwei Restaurants, einem Steakhouse und einem Italiener. Wir waren beim Italiener. Und ganz an Ende des Ensembles warteten ein Theater und ein Bowlingzentrum. Das Publikum ist insgesamt weit bodenständiger und ländlicher als bei den Pequot in Connecticut. Und weil St. Patrick´s Day war, erschienen auch einige entsprechend adjustiert. Mit meiner Celtics-Kappe stach ich darum auch nicht wirklich heraus, obwohl sich auch im Kasino, genau wie an der Tankstelle en paar Stunden früher, die aus dem Kettenrestaurant abends zuvor beschriebene Szene mehrmals wiederholte: Julianes Anblick löste Erstaunen aus, meiner stellte das seelische Gleichgewicht wieder her. Die meisten Männer sahen aus wie ich, etliche grüßten mich und wünschten mir sogar einen „Happy St. Patrick´s Day“. Besonders gemustert wurde ich von einem Afroamerikaner an der Bar in der Spielhalle, der wie der selige Coolio in den 1990igern gestylt war. Über den Schneidezähnen trug er ebenso formschöne wie elegante so genannte Grillz. Neben der vergoldeten Zahnverblendung, sah man deutlich, sobald er lachte oder redete, dass ihm alle Backenzähne fehlten. Er entschied sich dagegen, Juliane an zu flirten. Die hatte ihn bisher weder gesehen oder wahrgenommen, weil sie mit dem Rücken zu ihm saß. Sie hätte sich sicher sehr gefreut. Aus der Bekanntschaft wurde nichts. Seine volle Aufmerksamkeit wurde kurz darauf zwei leicht bekleideten Damen zuteil, mutmaßlich aus dem Gewerbe.
Wir blieben nicht lange im Casino. Wir hatten am nächsten Tag einiges vor. Wichtigster Programmpunkt war das Cherokee Museum. Dieses kleine, aber feine Haus bestach durch seine großartige Sammlung archäologischer und historischer Objekte. Die Cherokee konnten sich vieles ihrer Tradition erhalten und zukaufen. In den 1950iger brannte das Museum überraschend ab, die Cherokee hatten ihre Sammlung jedoch zum Überwintern ausgelagert. Wovon außer ihnen niemand wusste.
Im Museum wird die Geschichte der Cherokee Nation seit der Steinzeit dargestellt. Die Mississippi Kultur und ihre Handlungsnetze werden ebenso ausführlich thematisiert wie die diplomatischen Kontakte nach Europa und der Trail of Tears und seine Folgen bis heute. Die Cherokee-Kindern wurden früh von ihren Eltern getrennte und in staatlichen Boarding Schools (Internaten) zu „guten Staatsbürgern“ umerzogen. Unvorstellbar, dass die Cherokee erst 1940 zu US-Bürgern erklärt wurden.
Ich glaube, inzwischen ist jeder und jedem klar, dass ich in Bezug auf die Native Americans eine klare Position beziehe. Ich habe größten Respekt vor ihren Lebensweisen. Allen Nations ist eines gemeinsam gewesen: Die totale Ausrottung einer Lebensform, sei es Feind, Tier oder Pflanze widersprach völlig ihrer Logik. Sogar in der Cherokee-Variante der Fabel vom Rennen von Schildkröte gegen Hase stirbt der Hase am Ende nicht wie bei Äsop, sondern ist „nur“ erschöpft und verzweifelt. Im Museumsshop gab es ein Kinderbuch zu kaufen mit dem Titel „Zehn kleine Häschen“ („Ten Little Bunnies“). Es fing mit einem einsamen Häschen in der Wildnis an, und es endete mit einer Gruppe von zehn, die gemeinsam campierten. Selbst wenn dieses Bewusstsein, wie viele richtig argumentieren, aus der Erfahrung rührt, die die Paläo-Indianer nach der Ausrottung der nordamerikanischen Megafauna und der Pferde machten, so muss ich doch unterstreichen, dass diese Kulturen bereit waren, zeitgerecht die folgerichtigen Konsequenzen zu ziehen. Und nicht bloß die Symptome, sondern die Ursachen zu beseitigen. Im direkten Vergleich gefragt: Wie viele Amokläufe muss es noch geben, bis der richtige Zeitpunkt gekommen scheint, um über Waffengesetze und Zwischenmenschlichkeit in den USA zu reden? Wie viele Klimakatastrophen müssen noch wie prophezeit eintreten, bis der menschlich verursachte Klimawandel als Tatsache akzeptiert werden kann?
Ein weiterer augenfälliger Unterschied zu feudalen Kulturen ist die demokratische Organisation der First Nations. Die Cherokee errichteten ihre Siedlungen entlang des Mississippi und im Rest des Südwestens nach dem Motte und Bailey-Prinzip. Genau wie im normannischen England und auch im niederösterreichischen Waldviertel. Also, jeweils ein künstlicher Burgberg, und darum herum ein Dorf. Bei den Cherokee stand auf der Motte allerdings nicht der befestigte Turm der Grundherren, sondern das Versammlungshaus. Es war faszinierend zu erfahren, dass es bei den Cherokee die Legende gibt, dass es einst unter ihnen einen Priesteradel gegeben hatte, den Brahmanen in Indien nicht unähnlich. Die Mitglieder dieser Gruppe, die Ani-kutani, konzentrierten Reichtum und Bildung auf sich und erhoben sich über das Gesetz. Sie verübten auch sexuellen Missbrauch. Als ein junger Priester die Braut eines jungen Kriegers vergewaltigte, führte dies zum unausweichlichen Aufstand der Cherokee unter der Führung des jungen Kriegers. Alle Ani-kutani wurden getötet. Und die Cherokee beschlossen, dass es unter ihnen niemals wieder erblichen Adel und eine Oligarchie geben sollte. Welche Lehren könnten wir also aus dieser Erfahrung und aus dem Beispiel der Cherokee ziehen?
Auf dem Weg zum National Park-Besucherzentrum und dem Mountain Farm Museum hatten Juliane und ich eine berührende Begegnung. Wir sahen einen echten wildlebenden Truthahn mit zahlreichen Hennen. Diese symbolträchtigen Wildtiere in ihrem natürlichen Umfeld zu sehen, freute mich sehr. Mir war nicht klar, wie groß diese Tiere wirklich waren und dass sie schwarzblaues Gefieder haben.
Das kleine Gehöft, das hinter dem Visitor Centor am Ufer des Ocunaluftee Rivers und bis vor relativ kurzem noch die Davis-Farm gewesen war, präsentierte sich doch recht spartanisch. Im Vergleich zu europäischen Bauernhöfen in ähnlich abgelegenen Bergregionen – Tirol, Steiermark oder Schweiz – waren diese Holzgebäude winzig und ärmlich. Irgendetwas Wesentliches an der Konstruktion der Ställe fehlte zum heutigen Tag, das es nicht mehr möglich war, im Winter Tiere auf der Farm zu halten. Tatsächlich waren die Ställe zugig und eiskalt, die Fugen und Spalten der Wände riesig. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Ritzen und Fugen mit Moos und Lehm ausgestopft waren. Die Bäume in den Smokys sind dicht mit Flechten bewachsen, die auch gutes Dämmmaterial abgeben wurden. Das Zimmermannswerk war auch eher lausig, ohne Nut und Feder oder Gärung lagen die Kanthölzer einfach auf dem stehenden und tragenden Holz. Die Langhäuser der Cherokee, errichtet wie ein Fachwerkbau aus Holz und Lehm, wirkten dagegen robust. Und sie waren ja angeblich die Unzivilisierten. Professionelle Arbeitsteilung war im Falle eines solchen Einschichtbauernhofes naturgemäß Mangelware, weshalb dieses Gehöft auch eine kleine Schmiede, eine Sorghumhirse-Verarbeitung und mehr improvisierte Werkstätten umfasste. Ein bemerkenswertes und hübsches Resultat dieser Arbeitsweise: Die Scharniere aus Hufeisen an Fensterläden und Türen. Von den Cherokee übernommen wurde die Methode, amerikanische Rotkehlchen in an den Gärten aufgehängten Kalebassenkürbissen nisten zu lassen, um „Schädlinge“ von den Feldfrüchten fernzuhalten. Diese Vögel sind um einiges größer als das europäische Rotkehlchen und ordentlich revierdominant und rauflustig.
In diesem Sinne sehr eindrücklich gestaltete sich wieder einmal unser Abendessen. Diesmal im Native-geführten „Paul´s Family Restaurant“. Family Restaurant, weil keine Alkohol-Lizenz. Beim Eintreten spielte sich mit den Ladenbesitzern und der Bedienung die bereits gewohnte Szene ab, die versammelte Gästeschar bereicherte unseren Erfahrungshorizont um einiges: An einem Tisch saß ein etwas älteres Paar, beide mit Kurzhaarfrisur und in hochpreisiger professioneller Outdoor-Freizeitkleidung. Der hagere Mann mit Stoppelbart bemerkte das weiße Y auf Blau an meinen Handschuhen. Sofort zischte er seiner Frau zu, dass ich ein "Yalie" wäre. Ab diesem Moment konnte er sich an mir und vor allem an meinem Gehstock nicht sattsehen. Beides war allen anderen Menschen, die bisher unseren Weg gekreuzt hatten, völlig egal gewesen. So auch dem Grüppchen örtlicher Landbevölkerung, einer Frau und zwei Männer in karierten Hemden und in ausgewaschenen und beuligen Jeans. Die schauten kurz zu uns herüber, als sie uns Deutsch reden hörten, kümmerten sich danach aber schnell nicht mehr um uns. Das änderte sich schlagartig, als ein afroamerikanisches Paar das Lokal betrat. Die Spannung zwischen den drei Weißen und den beiden Schwarzen war spürbar, beinahe unerträglich. Tatsächlich wechselte das Paar auch kurz darauf den Tisch. Las die beiden in einem anderem Raum und außer Sicht saßen, beruhigte sich die Stimmung. Ich konnte in Frieden meinen Elk-Burger verputzen.
Auf der Rückfahrt nach Knoxville verpassten wir wegen eines Funklochs die richtige Abzweigung und fuhren nicht wieder durch Gatlinburg zurück. Stattdessen führte uns das Navigationssystem über kleine abgelegene Landstraßen auf den Highway. Dabei sahen wir blühende Forsythien und Obstgärten. Und so manches Dorf war um einen Hügel herum errichtet, auf dessen Kuppe die Gemeindekirche stand. Alles wirkte sauber und gepflegt. Diese provinzielle Ordentlichkeit erzeugte im Vergleich zu New Haven und Neuengland vor allem eines: Lebensqualität!
Um unser Leben fürchteten wir indes kurz vor der Rückgabe unseres Mietwagens am Flughafen von Knoxville. Ich wollte, auch ganz kleinbürgerlich und ordentlich, den Tank wieder befüllt zurückgeben. Was ich nicht wusste, alle Tankstelle auf dem Highway sind links. Das bedeutete, wir mussten erst auf die ganz linke Spur wechseln und von dort die Gegenfahrbahnen überqueren. Ja, richtig gelesen, wir mussten drei Richtungsfahrbahnen einer Autobahn in der Gegenrichtung überqueren. Dieses „Geisterfahrer unterwegs“ entsprach so den Vorschriften. Den Geruch von saurem Angstschweiß in der Nase erreichten wir lebend die Zapfsäulen. Nur um festzustellen, dass ich vergessen hatte zu fragen und es nicht auf dem Tankdeckel stand, ob dieses Auto ein Diesel oder Benziner war. Das Wissen, dass der falsche Zapfhahn nicht in den Stutzen passte, nutzte in den USA gar nichts, hier sprudelten vier Treibstoffsorten munter aus demselben Hahn. Das bedeutete, dass ich unverrichteter Dinge wieder auf die Gegenrichtung des Highways wechseln musste. Nach dieser Aktion hätte ich gerne das Hemd gewechselt. Stattdessen wechselten wir vom Mietwagen in den fliegenden Bus nach New York. Gut gegangen, nichts geschehen!

Fortsetzung folgt…